In der Winterruhe von 2022 auf 2023 kam es bei mir zu einem Zwischenfall mit verheerendem Ausgang.
Nach einer dreiwöchigen Fastenzeit begann ich Anfang November mit der sukzessiven Verkürzung der Tageslichtlänge und der Reduktion der Temperaturen in meinen Terrarien. Am 17.11.2022 setzte ich meine Schlangen dann in ihre Überwinterungsboxen welche wie jedes Jahr mit feuchter Kleintierstreu aufgefüllt werden. Am selben Tag schaltete ich die beiden Kühlschränke welche einzig der Überwinterung dienen ein und verlegte die Thermometer welche ich zur Temperaturüberwachung nutze. Diese haben jeweils zwei Fernfühler welche im unteren und oberen Bereich der Kühlschränke platziert werden. In den nächsten Tagen stellte ich dann die Temperaturen auf die gewünschten Werte ein, diese liegen im unteren Bereich bei etwa 5°C und im oberen Bereich etwa 7,5°C. Am 19.11.2022 verbrachte ich meine Tiere dann in die inzwischen eingefahrenen Kühlschränke. Bis dahin verlief alles wie jedes Jahr.
Während der Winterruhe kontrolliere ich alle paar Tage den Zustand meiner Tiere, die Temperaturen werden täglich kontrolliert. Bei der Kontrolle am 26.11.2022 war alles in Ordnung, die unteren Temperaturen zeigten 5,2°C und 5,8°C.
Am morgen des 27.11.2022 kam dann der Schock... Die Temperatur im Kühlschrank der Männchen betrug - 2,9°C im oberen und – 4,1°C im unteren Bereich! Wie es dazu gekommen ist konnte ich leider nicht feststellen, ich vermute das der Thermostat des Kühlschrankes defekt war oder sich aufgehängt hat.
Jetzt war guter Rat teuer, was tut man in so einer Situation? Ich holte sofort sämtliche Boxen aus dem Kühlschrank und überprüfte den Zustand der Tiere. Bedauerlicherweise musste ich feststellen das sämtliche Tiere unterschiedlich stark gefroren waren. Die Tiere aus der untersten Box waren regelrecht steif gefroren, andere waren „nur“ leicht angefroren. Zum Teil lagen die Tiere auch in ihren Wasserschalen, dessen Inhalt ebenfalls schon unterschiedlich stark eingefroren war. Auch die Einstreu war stellenweise gefroren. Ich befreite die Schlangen vorsichtig weitestgehend von anhaftendem gefrorenen Eis und taute sie anschließend langsam in möglichst kaltem Wasser auf. Bei den Tieren aus der untersten Box kam leider jede Hilfe zu spät. Drei von den Fünf Tieren aus dieser waren bereits tot, die anderen beiden verstarben im Laufe des Tages. Erstaunlicherweise überlebten aber die Tiere aus den anderen Boxen, auch solche welche recht stark gefroren waren. Es scheint sogar das die Tiere das ganze Dilemma schadlos überstanden haben! Einzige Ausnahme ist hier ein Th. sirtalis tetrataenia dessen Schwanz seither gelähmt ist.
Aus eigener Erfahrung weis ich das ein zu schnelles „hochfahren“ der Tiere nach der Winterruhe tendenziell eher ungünstig ist, daher habe ich mich dazu entschieden die Winterruhe erstmal fortzusetzen. Ich kontrollierte seither täglich den Zustand der Tiere, um gegebenenfalls einschreiten zu können, sollten Auffälligkeiten entstehen.
Aus der Literatur ist mir bekannt das Strumpfbandnattern in der Lage sind Minusgrade von bis zu – 5,5°C kurzzeitig zu überstehen. Es wird angegeben das eine Strumpfbandnatter, dessen im Körper vorhandenes Wasser um 36,2% gefroren war, nach dem auftauen keine Schädigungen aufwies. (Hallmen & Chlebowy 2011)
Ob und inwiefern noch Folgeschäden auftreten bleibt trotzdem abzuwarten.
Dieser Vorfall hat natürlich zur Folge das man überlegt wie sich so ein Unglück zukünftig vermeiden lässt.
Zuerst habe ich natürlich den defekten Kühlschrank durch einen neuen ersetzt.
Zusätzlich habe ich seither in meinen Kühlschränken als zusätzliche Sicherung jeweils einen Lucky-Reptile Thermo Control Pro Ⅱ (digitaler Thermostat) eingebaut den ich so programmiert habe, das er bei einer Temperaturunterschreitung von 4°C den Strom wegschaltet. Wenn die Temperatur wieder auf 7°C gestiegen ist, schaltet er den Strom wieder ein. Da sich die Temperaturen innerhalb der Kühlschränke zwischen oberer und unterer Etage deutlich unterscheiden, habe ich den Temperaturfühler des Gerätes im unteren Bereich der Kühlschränke angebracht, um zu vermeiden das er evtl. zu spät abschaltet.
Darüber hinaus habe ich beide Kühlschränke mit einem WLAN- Thermometer der Firma Inkbird ausgestattet, welche mich via Handy-App benachrichtigen, wenn zuvor eingestellte Temperaturwerte unter bzw- überschritten werden.
Somit ist die Überwinterung doppelt abgesichert und ich hoffe das es zu so einem Zwischenfall nie wieder kommt.
Fazit:
Fünf verendete adulte Männchen und diverse dessen Gesundheitszustand bisher ungewiss ist... Das ist das traurige Ergebnis eines technischen Defekts. Glücklicherweise ist dieser noch einigermaßen früh aufgefallen. Hätte ich es erst einen Tag später bemerkt, hätte es noch ganz anders ausgehen können.
Dieser Vorfall macht wieder einmal mehr deutlich, wie schnell etwas daneben gehen kann. Bis dato hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht das etwas derartiges passieren kann. Ich kann nur jedem raten seine Technik regelmäßig zu prüfen, oder noch besser, zu überwachen.